Martin Sieghart

 

Ein Buch

Die Zeit des Corona-bedingten Nicht-Dirigierens überbrückte Sieghart mit dem Schreiben eines Buches:

"Übergänge." Ein Musik/Erleben in 50 Kapiteln

Übergänge von biographischen Erzählungen zu jenen, die in einer fiktiven Traumwelt angesiedelt sind. 

Angeregt durch einen Besuch eines Heurigen in Grinzing, wo ein hervorragend begabter junger Mann gesungen und gespielt hat, erfindet er einen angehenden Pianisten aus Siebenbürgen, der durch verschiedene Umstände seine steile Karriere aufgeben muss und über Umwege nach Wien kommt, wo er sich als Heurigenmusiker in den verschiedenen Sprachen seiner deutsch-ungarisch-rumänischen Herkunft ein solides Auskommen sichert, ehe er einen Flügel sieht, der für einen Empfang in sein Lokal gebracht wurde ...  

Ein Serien-Kommissar, seines Berufes längst überdrüssig, muss beim Dreh in der kleinen Kirche von "Leidenstein" das Requiem von Mozart über sich ergehen lassen. Und aus der völligen Ablehnung dieser Idee wird mehr und mehr ein tiefes Erleben, das ihn schließlich erlöst. 

Berichte über sein Leben in den 60er-Jahren in Wien, das Orgelspiel in Oberösterreich, den großen Mentor Josef Mertin, über die Jahre als Musiker bei den Wiener Symphonikern, die Zeit als Chefdirigent in Stuttgart, Linz und Arnhem, über eine wunderbare Begegnung mit Henri Dutilleux, weniger schönen mit anderen großen Namen. Über sein Opernfestival in Reinsberg, über Strauss-Konzerttourneen in Japan und Benefizkonzerte. 

Über einen Abend beim Biertrinken mit Anton Bruckner und dessen Adagio aus der 6. Symphonie, den Böhmerwald und vieles mehr. 

Die Veröffentlichung des Buches erfolgte im Herbst 2021 beim "Hollitzer"-Verlag. 


Pressestimmen

"Übergänge" öffnet dem Leser eine Schatzkiste an musikalischem Wissen und persönlichen Erfahrungen hinter den Kulissen des Proben-, Konzert- und Orchesterlebens. All das mündet in dem Bekenntnis: "Es ist besser, ein Suchender zu bleiben!" Karin Schütze, OÖN


Den fortwährenden Rauschzustand beschreibt Martin Sieghart oft nüchtern und sachlich, dann wieder traumverloren im Angesicht von Größenwahn und Niedertracht, die im Business so wenig fehlen wie magische Momente der Verzauberung. So wird diese Autobiographie zur spannenden auch stilistisch vielgestaltigen Mixtur aus Kolportage und Märchen, Traumvision und Anekdote. Die fantastischen Momente darin sind vielleicht die realistischsten. Wilhelm Sinkovicz (Buchcover)


Die in meinen Augen besonders gelungene Geschichte über ein Pianisten-Genie aus Rumänien, das in Wien als Heurigenmusiker auftritt erinnert mich an Bohumil Hrabal und Imre Kertesz. Bayerischer Rundfunk im Rahmen eines Interviews


Was Martin Sieghart von anderen Dirigenten-Autobiografien abhebt, ist seine erzählerische Fantasie, die er in erdachten Geschichten auslebt. Die biografischen Miniaturen erfundener Personen sind vergnüglich zu lesen und erzählen durch den innewohnenden Wahrheitsgehalt mehr über Musik und Musiker:innen, als in dürren Worten auszudrücken ist. Da wird ein ferner Urahn, von dem der Vater einmal erzählt hat, zur Inspiration für die Geschichte des rumänischen Pianisten Johann, der als Janos mit der Quetschen zum Star der Wiener Heurigenmusiker wird. Eine junge Klarinettistin tritt auf und alternder Tenor tritt ab. Ditta Rudle, Tanzschritte


Es sind die schlechtesten Bücher nicht, die, aus einer Laune heraus auf der letzten Seite aufgeschlagen, gleichsam vom Ende her fesseln: "Ich musste lernen, mit der Zeit anders umzugehen. Ich kannte sie nur als etwas, das man einzuteilen hatte, nicht als etwas, das man erleben durfte", schreibt Martin Sieghart im Kapitel, das er "Kein Epilog" nennt und das unter dem Eindruck der Corona-Krise einerseits, andererseits aber auch unter dem der erfolgreichen Entwicklung wirksamer Impfstoffe steht. Es sind die schlechtesten Dirigenten nicht, die Österreicher sind, aber im Ausland ihr Renommee erarbeitet haben: Martin Sieghart, 1951 in Wien geboren mit familiären Wurzeln, die tief ins Innviertel reichen, und einer weltbürgerlichen Gesinnung, legt in "Übergänge" eine Autobiografie vor, die entscheidende Lebensabschnitte selbstanalytisch unter die Lupe nimmt und, es sei mit allem Nachdruck vermerkt, stilistisch glänzend geschrieben ist. Einmal das Buch begonnen, liest man die 315 Seiten in einem Zug durch, und hat biografische Informationen samt reichlich Stoff zum Nachdenken bekommen. Dieses Buch ist so reich an Einsichten, dass man nicht weiß, worauf man das Augenmerk des Lesers lenken will. Erkenntnisse und Erlebnisse Musikalisches: Die Erkenntnis, dass es Unfug ist, Anton Bruckners Sinfonien von Anton Bruckners Gläubigkeit zu trennen. Wie Sieghart sich dem Komponisten Bruckner als Mensch nähert, ist überzeugender als alles, was an Theorien zusammengebastelt wird, um die als bedeutend erkannte, aber religiös konnotierte Musik für unsere immer profanere Zeit verständlich zu machen. Dann ist da ein wunderbares Kapitel über Mozart, fast mehr eine hoffmanneske Kurzgeschichte, ein glänzendes Kapitel über Antonín Dvořáks Siebte Sinfonie, immer wieder Gustav Mahler und Ludwig van Beethoven. Sieghart gelingt es, die Musik zu erzählen, er nimmt sie nicht analytisch auseinander, er verliert sich auch nicht im Nur-Anekdotischen, bei ihm gewinnt die Musik im Wort eine eigene Plastizität, mit einem Mal verbindet der Leser auch ihm längst bekannte Werke mit neuen Eindrücken. Biografisches: Vom Solocellisten der Wiener Symphoniker zum Dirigenten - es gibt solche und ähnliche Karrieren. Doch in Siegharts Erzählung schwingt mehr mit. So uneitel hat kaum je ein Künstler über sich selbst berichtet, über Erfolge, Probleme, Misserfolge, erreichte und verfehlte Ziele. Genau dieses Spannungsfeld aber ist es, das den Künstler, im konkreten Fall den Dirigenten interessant macht. Es ist wesentlich leichter, sich als Star auf hohem Podest zu inszenieren denn als Musiker im Ringen um Werke und Interpretationen. Diese Glut in der Auseinandersetzung mit Werken hat freilich auch Siegharts Interpretationen immer schon den Stempel des Außergewöhnlichen verliehen. So erlebt der Leser den Dirigenten Sieghart auf musikalischen und biografischen Lebensstationen (als könnte man das trennen) und unterhält sich nicht zuletzt auch glänzend bei den anekdotischen Episoden mit wunderlichen Komponisten, eigensinnigen Musikern und allerlei Bizarrerien an der wichtigen Peripherie der Berufung zum Musiker. Und dann ist da das Kapitel "Der Heurigensänger", genau genommen eine Erzählung. Sie ist wunderbar. Sollte Martin Sieghart einen weiteren Übergang wagen und, zum Musiker dazu, auch Autor von Geschichten werden - es wäre nach diesem Buch nicht weiter erstaunlich. Edwin Baumgartner, Wiener Zeitung


"Ein Musik/erleben in 50 Kapiteln" nennt Martin Sieghart seine Autobiographie. Er beschreibt nicht nur sein Musikerleben, sondern ganz besonders auch sein Musik-Erleben von Kindheit an. Am 12. März 1951 hat er in Wien das Licht der Welt erblickt, aber die familiären Wurzeln im Innviertel sind ihm sehr wichtig. Der leidenschaftliche Musiker prägte von 1992 bis 2000 als Chefdirigent des Brucknerorchesters und Leiter der Oper eine Ära in Linz. Dort fand er auch seine liebe Frau, die Sopranistin Ingrid Habermann. Er gastiert in aller Welt, bekleidete Chefpositionen in den Niederlanden und beim Stuttgarter Kammerorchester, und auch in seiner Heimatstadt arbeitet er immer wieder, bevorzugt mit seinem ehemaligen Orchester, den Wiener Symphonikern. Denn deren Solocellist war der nicht bloß musikalisch umfassend Gebildete von 1975 bis 1986 gewesen. Das Cello hat er längst aufgegeben, als Pianist und Organist tritt er mitunter bis heute in Erscheinung. Als Operndirigent widmete er sich ganz besonderen Projekten wie von 2002 bis 2006 "Mozart in Reinsberg" und 2013 bis 2015 dem leider nur kurzlebigen Festival "EntArteOpera" in der Linzer Tabakfabrik, wo er sich mit dem Israel Chamber Orchestra der so genannten "entarteten Musik" von Schreker und Braunfels widmete. Von 2000 bis 2016 wirkte er als charismatischer Professor für Dirigieren in Graz. Die Zeit der Lockdowns hat er nun zum Schreiben seiner sehr lesenswerten Erinnerungen genützt. Und Martin Sieghart kann tatsächlich schreiben, mit Witz und Geist und leichter, aber feiner Feder. Mitunter springt er durch die Zeiten und Stationen seiner Karriere hin und zurück, was dank seiner lebendigen Erzählgabe Freude macht. Man liest und gleichzeitig glaubt man, mit dem Autor an einem Tisch bei einem guten Glas Wein zu sitzen und ihm zu lauschen. Privates schildert er dezent und oft mit Augenzwinkern. Die vielen musizierenden Menschen, denen er begegnet ist, mit denen er zusammengearbeitet hat, die er unterrichtet hat, entstehen plastisch vor den Augen des Lesers. Diejenigen, die er nicht so mag, werden nicht namentlich genannt. Manchmal auch nicht die, die er mag, wie den sehr begabten einstigen Studienkollegen, der als nur mehr selten dirigierender niederösterreichischer Politiker die Festspiele auf Burg Reinsberg ermöglicht hat und der nur als Initiale vorkommt. Diesen Herrn S. kann man aber leicht erraten. Die Schattenseiten des klassischen Business-Trubels werden nicht verschwiegen, die Hetzjagden von Pult zu Pult mochte Martin Sieghart nie, musste sie aber zeitweise mitmachen. Köstlich ist seine liebenswürdige und pointierte Beschreibung von Japan-Tourneen. Eine große Rolle spielt seine Liebe zur Natur, die auch Speis und Trank beinhaltet. Immer wieder fügt er Geschichten ein, oft phantastische moderne Musikmärchen vom Heurigensänger bis zum Fernsehkommissar, hinter denen sich reales Leben verbirgt. Berührend ist die von zutiefst menschlichen Gefühlen bestimmte Wiederbegegnung mit einer Schülerin, die Rat über die "Eroica" sucht. Im Zentrum von Siegharts Buch steht die große Liebe zur Musik, zur Kunst überhaupt. Nichts ist diesem Herzensmusiker lieber, als Mozart, Schubert, Verdi, Bruckner, Mahler und Johann Strauss musizierend zu vermitteln, um einige seiner Lieblinge zu nennen. Dabei reicht sein Repertoire von Bach bis zur Moderne und umfasst viele Raritäten. Es geht ihm immer um den zeitlosen Wert der Werke, nicht um die Verirrungen ihrer Schöpfer. So setzt er sich nicht nur für Franz Schreker, sondern auch für Hans Pfitzner ein. Zwischendurch darf herzhaft gelacht werden, denn die größten Künstlerinnen und Künstler sind auch nur Menschen, die in diverse Fettnäpfe tappen. Doch mehr soll hier nicht verraten, sondern die Lektüre dringend empfohlen werden! Gottfried Franz Kasparek, Der Neue Merker


„Ich musste einen tiefen Zug aus einem Joint, den mir Studenten unter die Nase hielten, machen. Ich war stolz, ohne Hustenanfall oder Kreislaufkollaps überlebt zu haben...“. So erinnert sich Martin Sieghart an sein Fest zum Abschied von der Kunstuniversität und schreibt in einer Mail an uns: „16 Jahre in Graz unterrichtet, einen wesentlichen Teil meiner Arbeit in dieser schönen Stadt verbracht zu haben - all das ist nun schon wieder mehr als fünf Jahre vorbei, aus, Geschichte“. Nicht aus. Geschichte und Geschichten hat der 70-jährige Wiener nämlich in das Buch „Übergänge“ verpackt und schildert „Ein Musikerleben in 50 Kapiteln“, wie es im Untertitel heißt. Übergänge sind für Dirigenten oft heikle Passagen, aber der ehemalige Solocellist der Wiener Symphoniker und passionierte Pianist schafft sie auch beim Schreiben, indem er Faktisches mit Anekdotischem, Erlebtes mit Erträumtem verzahnt. Er erzählt von der Maturaprüfung, bei der ihm „Also sprach Zarathustra“ half, genauso wie vom Urlaub am Wörthersee (mit Mahler natürlich) oder von Begegnungen mit Großen seiner Zunft wie Piotr Beczala und was er von Altmeister Josef Mertin lernte: „Am Anfang jeder Erkenntnis steht der Zweifel“. Eine sehr lesenswerte, kaleidoskopische Autobiographie - ohne Zweifel. Michael Tschida, Kleine Zeitung


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